Vorsorge & Vollmachten

Vorsorgevollmacht

Die Vorsorgevollmacht ist ein ideales Instrument, um Ihre eigene Zukunft auch für den Fall selbst zu gestalten, dass Sie selber nicht mehr in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn aufgrund des Alters oder Gebrechlichkeit bzw. Krankheit oder plötzliche Notsituationen einem die freie Willenserklärung fehlt.

Eine Vorsorgevollmacht kann schon zu einem frühen Zeitpunkt erstellt werden, der Vollmachtgeber muss jedoch volljährig sein.

Durch eine Vorsorgevollmacht können Sie eine gesetzliche Betreuung vermeiden. Denn ein vom Betreuungsgericht eingesetzter Betreuer ist nach dem Willen des Gesetzgebers (§ 1896 BGB) dann nicht erforderlich, wenn ein Bevollmächtigter die Angelegenheiten des Vollmachtgebers regeln kann. Damit stärkt der Gesetzgeber das Recht auf Selbstbestimmung, denn mit einer Vorsorgevollmacht kann in gesunden Tagen die Vertrauensperson selbst ausgewählt werden, welche bei einer später eintretenden Entscheidungsunfähigkeit für Sie handeln kann.

Die Vorsorgevollmacht darf nicht mit einer Patientenverfügung verwechselt werden, kann diese aber ergänzen.


Patientenverfügung

Mit einer Patientenverfügung, auch Patiententestament genannt, können Sie festlegen, wie Sie medizinisch versorgt werden möchten, wenn Sie dies nicht mehr selbst entscheiden können.

Die Patientenverfügung richtet sich insbesondere an Ärzte und deren Behandlungsteam. Sie helfen eventuell schwierige Entscheidungen zu erleichtern, indem Sie Ihre Vorstellungen für eine medizinische Behandlung und damit zusammenhängender Maßnahmen, z. B. in einem Notfall. Dazu gehört ggf. ob Sie eine Wiederbelebung oder künstliche Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Körperfunktionen wünschen. Sie bestimmen, ob Ärzte bestimmte medizinische Behandlungen vornehmen dürfen oder unterlassen sollen. Neben konkreten Handlungsanweisungen ist es empfehlenswert, dass die Patientenverfügung einen Teil enthält, der Ihre Wertvorstellung umschreibt. Dieser Teil ist wichtig, um dem Behandlungsteam auch für diejenigen Fälle eine Vorstellung von Ihrem Willen zu geben, in denen Ihre Problemlage nicht auf die in der Patientenverfügung beschriebenen Situationen passt.

Für eine ideale Patientenverfügung ist es besonders wichtig, dass in ihr so viele Praxisfälle wie möglich benannt sind. Die Formulierungen sollten so gewählt werden, dass möglichst wenig Zweifel an Ihren Wünschen aufkommen und für die handelnden Personen so präzise wie möglich ist. Um dies zu ermöglichen ist es ratsam, sich im Vorfeld mit Menschen aus Ihrem direkten Umfeld über die Dinge zu unterhalten, die Ihnen wichtig sind. Die Beschäftigung mit dem Thema Patientenverfügung kann so zu sinnvollen Inhalten und Formulierungen Ihrer Patientenverfügung führen.

Weil man jedoch schwerlich in der Gegenwart die Lösung für unbekannte Situationen in der Zukunft benennen kann, ist es empfehlenswert, dass die Patientenverfügung durch eine Vorsorgevollmacht ergänzt wird. Dadurch ist dann ein von Ihnen Bevollmächtigter in der Lage, den in der Patientenverfügung niedergelegten Willen gegenüber Ärzten durchzusetzen und auch Hilfestellung zu Ihren Wertvorstellungen zu geben.

Eine vorhandene Patientenverfügung muss vom Arzt beachtet werden. Andernfalls droht ihm eine Anklage wegen Körperverletzung. Wenn jedoch der Verdacht entsteht, dass Sie es sich anders überlegt haben könnten, ist die Patientenverfügung nicht mehr bindend. Dies kann auch für solche Fälle gelten, bei denen die aktuelle Situation nicht auf die in der Verfügung festgelegten Situationen passt.


Betreuungsverfügung

Mit einer Betreuungsverfügung können Sie schriftlich festlegen, wer Ihre Betreuung übernehmen soll, wenn Sie aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung Ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr besorgen können und keine Vorsorgevollmacht erstellt haben. Genauso können Sie mit einer Betreuungsverfügung bestimmte Personen oder Vertreter als Betreuer ausschließen. Wenn Sie eine Betreuungsverfügung verfasst haben, können Sie somit weitgehend sicherstellen, dass Personen Ihres Vertrauens die Betreuung auch in Ihrem Sinne wahrnehmen.

Dadurch wird zwar nicht das Einschalten des Betreuungsgerichts vermieden, Sie können aber durch Ihren Vorschlag für einen Betreuer Einfluss auf die durch ein Gericht anzuordnende Betreuung nehmen. Das Betreuungsgericht und auch der Betreuer sind grundsätzlich an die von Ihnen geäußerten Wünsche gebunden. Eine Abweichung davon kann nur dann vom Betreuungsgericht beschlossen werden, wenn sich die in der Betreuungsverfügung genannte Person als ungeeignet erweist. Das Gericht bestimmt auch über den Umfang der Befugnisse (Aufgabenkreise) des Betreuers. Bereiche, in denen Sie noch zu eigenständigem Handeln fähig sind, muss das Gericht Ihnen überlassen. Ihre Handlungsfähigkeit wird von einem unabhängigen Arzt festgestellt und vom Betreuungsgericht bestätigt.

Der bestellte Betreuer unterliegt ebenfalls den gesetzlichen Beschränkungen und der gerichtlichen Kontrolle. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum Vorsorgebevollmächtigten. In Vorsorgevollmachten werden Betreuungsverfügungen häufig für den Fall aufgenommen, dass die in erster Linie gewünschte Vertretung durch die Vertrauensperson nicht mehr möglich ist.

Sie können mit einer Betreuungsverfügung z. B. Wünsche zu Ihrem Wohnsitz und damit Ihrem Lebensumfeld festlegen. Dazu gehört auch, in welchem Pflegeheim Sie leben möchten. Wenn Sie keine Patientenverfügung erstellt haben können Sie auch festlegen, wie Sie medizinisch behandelt werden möchten.

Eine Betreuungsverfügung kann besonders für alleinstehende Menschen hilfreich sein. Ebenso für Personen, deren Angehörige weit entfernt leben oder bei denen eine Versorgung oder Betreuung nicht möglich ist. Zum Beispiel stehen Betreuungsvereine in solchen Fällen als kompetente und vertrauenswürdige Partner zur Verfügung.



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